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Reishi – von der Hyphe zum Pulver

02. Juni 2026

Reishi – von der Hyphe zum Pulver

Quelle: Ich
Es ist eine alte Weisheit: wenn die Zutaten minderwertig sind ist auch das daraus gefertigte Produkt minderwertig. Das gilt natürlich auch in der Pilzzucht. Wenn man also von Vitalpilzen profitieren möchte, sollte man sollte man darauf achten wie sie gezüchtet wurden. Dabei ist der ganze Prozess der Pilzzucht von Bedeutung.

Reishi – Pilzstamm, Substrat und Anbau

Der Reishi (Ganoderma lucidum) wird in Ostasien seit Langem geschätzt und ist heute auch Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. Anders als klassische Speisepilze wird er wegen seiner festen, holzigen und bitteren Beschaffenheit üblicherweise nicht als Gemüse zubereitet, sondern getrocknet und weiterverarbeitet. Die folgenden Abschnitte beschreiben, worauf es bei Pilzstamm, Substrat, Anbau und Verarbeitung ankommt.

Der richtige Pilzstamm

Untersuchungen zeigen, dass sich das Profil der Inhaltsstoffe von Pilzstamm zu Pilzstamm unterscheidet. Alle werden als Reishi bzw. Ganoderma lucidum bezeichnet, doch gibt es zwischen den Varianten zum Teil deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung und Konzentration der Inhaltsstoffe (Qualitätsvergleich sechs Reishi-Herkünfte, Frontiers in Pharmacology 2012; Einfluss von Stamm, Holzsubstrat und Kältereiz auf den β-Glucan-Gehalt, Journal of Fungi 2020). Als bekanntester Vertreter der Gattung gilt der chinesische rote Reishi, in China als Ling Zhi bezeichnet.

Substrat

Auch ein Pilz benötigt für seine Entwicklung Nährstoffe, die er dem Substrat entnimmt, auf dem er sich ansiedelt. Beim Reishi sind das bestimmte Baumarten wie Eiche oder Buche. Bei der Zucht auf Holzstämmen ist man auf eine einzelne Holzart beschränkt. Die Zucht auf Sägemehlsubstrat hat den Vorteil, dass sich Zusatzstoffe wie Weizenkleie und/oder Ölsaaten beigeben lassen und verschiedene Holzarten gemischt werden können – das beeinflusst die Bildung und das Spektrum der Inhaltsstoffe (Einfluss des Anbausubstrats auf die Triterpenprofile, Frontiers in Nutrition 2024). In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat der Reishi je nach Holzart, auf der er gewachsen ist, eine lange Verwendungstradition. Ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen wird häufig durch Hartholzarten wie Buche oder Eiche in Kombination mit Obstbaumholz (etwa Kirsche oder Pflaume) angestrebt.

Zunehmend geschieht die Reishizucht auch im Bioreaktor. Dabei wird das Pilzmyzel in einem großen Reaktor vermehrt, der mit einer definierten Nährlösung gefüllt und mit einem ausgewählten Pilzstamm beimpft wird. Geerntet wird das Myzel, das in der Nährlösung heranwächst; es wird ausgefiltert, getrocknet und vermahlen. Pulver aus diesem Prozess bildet naturgemäß ein anderes Spektrum an Inhaltsstoffen als Myzel oder Fruchtkörper, die auf natürlichem Substrat (Holz) gewachsen sind – schon deshalb, weil dabei nicht alle Stadien des Lebenszyklus wie Fruchtkörperbildung und Sporenentwicklung durchlaufen werden. Diese Entwicklungsstadien aktivieren unterschiedliche Enzyme und bringen unterschiedliche Inhaltsstoffe hervor; Metabolitanalysen zeigen etwa, dass Triterpenoide überwiegend im Fruchtkörper vorkommen, während bestimmte Polysaccharide im Myzel höher liegen (Übersichtsarbeit zu Ganoderma lucidum, ScienceDirect 2025).

Wachstumsbedingungen

Ist das Substrat durchwachsen, beginnt der Pilz nach einiger Zeit mit der Fruchtkörperbildung. Moderne Zuchträume sind in der Regel große, klimatisierte Hallen ohne natürliches Licht. Die traditionelle Reishizucht geschieht dagegen in Gewächshäusern, in denen das Substrat in der Erde vergraben wird. Hier wächst der Reishi langsamer, dafür in einer natürlichen Umgebung mit direktem Kontakt zum Bodenleben und natürlichem Sonnenlicht.

Sonnenlicht mit seinem natürlichen UV-Anteil spielt für einzelne Inhaltsstoffe eine Rolle, etwa für Vitamin D: Ohne UV-Licht ist der Vitamin-D-Gehalt in Pilzen gering, während Wachstum oder auch nur Trocknung unter Sonnen- oder UV-Licht das im Pilz enthaltene Ergosterol in Vitamin D2 umwandeln und den Gehalt deutlich erhöhen kann (UV-induzierte Umwandlung von Ergosterol zu Vitamin D bei Pilzen (Review), PMC 2020). Die genauen Werte hängen von Sorte, Anbau und Verarbeitung ab.

Ernte und Verarbeitung

Ist der Reishi ausgewachsen, kann er geerntet werden. Dabei ist es sinnvoll, ihn bis zur Sporenbildung ausreifen zu lassen, denn die Sporen enthalten unter anderem Triterpene, Sterole und Polysaccharide und werden im Endprodukt häufig mitverarbeitet (systematische Übersicht zu Ganoderma-Sporen, PMC 2023). Für die Weiterverarbeitung zu Pulver wird der Fruchtkörper fein vermahlen; spezielle Mahlverfahren brechen dabei die harte Zellstruktur aus Chitin auf.

Das Angebot an Pilzpulver ist heute – gerade online – kaum zu überblicken, und die Qualität ist für Verbraucher oft schwer zu beurteilen, weil Angaben zu Herkunft und Herstellung fehlen. Wer Wert auf Nachvollziehbarkeit legt, kann auf transparente Angaben zu Anbau, Herkunft und Verarbeitung achten und im Zweifel beim Anbieter nachfragen, wie und wo das Produkt tatsächlich hergestellt wurde.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um den Pilz Reishi (Anbau und Verarbeitung) und stellt keine gesundheitsbezogene Aussage über ein bestimmtes Produkt dar. Für Speisepilze und pilzbasierte Erzeugnisse sind derzeit keine gesundheitsbezogenen Angaben nach der EU-Health-Claims-Verordnung zugelassen. Der Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.


Quellen

  1. Quality Difference Study of Six Varieties of Ganoderma lucidum with Different Origins – Frontiers in Pharmacology (2012): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3321521/
  2. Effect of Strain, Wood Substrate and Cold Treatment on the Yield and β-Glucan Content of Ganoderma lucidum Fruiting Bodies – Journal of Fungi (2020): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7587577/
  3. Influence of cultivation substrate on antioxidant activities and triterpenoid profiles of the fruiting body of Ganoderma lucidum – Frontiers in Nutrition (2024): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10879320/
  4. A review of Ganoderma lucidum: Cultivation, active ingredients and its application as functional ingredients – ScienceDirect (2025): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889157525016382
  5. Jiang, Zhang & Mujumdar: UV induced conversion during drying of ergosterol to vitamin D in various mushrooms – Trends in Food Science & Technology / PMC (2020): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7508054/
  6. Pharmacological Activities and Safety of Ganoderma lucidum Spores: A Systematic Review – PMC (2023): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10545004/